Wie läuft’s mit der Kirchengemeinde neu?

So werde ich in diesen Tagen häufig gefragt.
Es ist zuerst keine Frage nach Zahlen, Fakten, Strukturen. Deutlich spüre ich die Unsicherheit, die Bedenken dem Neuen gegenüber. Gerne hätte mancher den Abschied vom Alten hinausgezögert- und ja, ich kann das verstehen!

Auch ich denke gerne an Zeiten, in denen (fast) alle zum Gottesdienst gingen, mehr oder weniger aus Überzeugung. Es war keine Frage: Man ging eben. Da war (und ist) das Sonntagsgebot. Die Kirche war die Moralinstitution mit vielen Ge- und noch mehr Verboten. Das Leben war geregelt.
Welch gesellschaftspolitische Veränderungen gab es in den letzten fünfzig Jahren. Kirche hat aus ganz verschiedenen Gründen entscheidend an Einfluss verloren. In Deutschland gehören nicht einmal mehr 50% der Menschen den beiden christlichen Kirchen an. Bei uns liegt der Kirchenbesuch wohl unter 5% der Gläubigen. Lebenswelten und Lebensschwerpunkte haben sich verändert, Sinn wird nicht mehr unbedingt im Glauben gesucht. 
Also: Ein Weiter-so kann es für Kirche nicht geben. Es fehlt an Glaubenden, Engagierten im Glauben, an Ehren- und Hauptamtlichen, an finanziellen Ressourcen.
So wird in unserer Diözese gegengesteuert durch den Prozess der Kirchenentwicklung, d. h. in Ruhe und kreativ, unter Einbezug von Haupt und Ehrenamtlichen auf allen Ebenen nach Lösungen gesucht, wie es weitergehen kann.
Sicher tut es weh, vom Gewohnten Abschied zu nehmen. Sicher schmerzt es, dass die Räume größer, die Wege weiter werden. Neue Wege zu gehen ist selten bequem. Da wird zu Beginn auch manches holpern und manch Liebgewonnenes auf der Strecke bleiben, nicht alle pastoralen Angebote wird es überall geben können. Wir werden uns von Gebäuden trennen müssen, denn 43 Kirchen und Kapellen, 20 Pfarrheime/-Zentren und 14 Pfarrhäuser können wir auf Dauer unmöglich halten.
Wie also weiter?
Informationen zu neuen Strukturen haben Sie und bekommen Sie weiterhin. Seit 2022 hat die Projektleitung Kirchenentwicklung 2030 in 25 Sitzungen/ Klausurtagungen Überlegungen angestellt, welche Visionen und Möglichkeiten, welche Ziele es geben soll in der Kirchengemeinde neu. 13 AG’s zu allen pastoralen Arbeitsfeldern von Familienarbeit über Katechesen, Gruppierungen bis zu Tod und Trauer haben miteinander einen regen Austausch geführt und Ziele, Maßnahmen formuliert. Alle Überlegungen sind eingegangen in die Gründungsvereinbarung, also eine Idee, wie die neue Kirchengemeinde starten und den Menschen dienlich sein kann. Da wurden Charismen und Kompetenzen eingebunden, Vernetzung und Gemeinschaft gepflegt. Haupt- und Ehrenamtliche sind sich auf Augenhöhe begegnet. Wir wollen es schaffen, an den Ursprung des Christentums, an den Anspruch Jesu Christi anknüpfen. Da sind alle gefragt! Jede und jeder kann mitmachen.
Gefragt ist Eigeninitiative, Engagement, Mobilität. Fangen wir einfach an- gehen wir los und schauen, was der Einzelne und die Gemeinschaft braucht, ohne Überforderung- einfach an dem Platz, an dem wir stehen, mit den Möglichkeiten, die wir haben.
So lassen Sie uns starten voll Hoffnung und in der Gewissheit, dass Gott die Wege mit uns geht.
Seien Sie herzlich gegrüßt,
Monika Tschersich, PGR-Vorsitzende